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Der Kalkbrennofen
Kalkspatzenmörtel

Über 4.000 Jahre alt ist Baugeschichte unter Verwendung von Kalkmörteln. Hierbei können über den Globus verteilt, immer wieder auch trocken gelöschter Mörtel, die so genannten Kalkspatzenmörtel, aufgefunden werden. Diese haben sich bis heute an unzähligen historischen Bauwerken in erstaunlich gutem Zustand erhalten. Charakteristisch für das Erscheinungsbild des Mörtels sind weiße Einschlüsse, die bei näherer Betrachtung als Einsprenglinge, sogenannte „Spatzen“, ins Auge fallen. Hierbei handelt es sich um Kalk, der sich aufgrund des Herstellungsprozesses des Mörtels in Form von Bindemittel-Agglomarationen im Mörtelgefüge erhalten hat.

Eigenschaften

Trocken gelöschte Sandkalkmörtel erreichen weitaus höhere Festigkeiten als herkömmliche Luftkalkmörtel. So konnten Druckfestigkeit an unterschiedlichen historischen Mörtelproben festgestellt werden, die DIN-Werte für Kalkmörtel

entsprechen um das Vielfache übersteigen. Ein Grund hierfür ist, dass sich zwischen Kalk und Sand calciumsilikatische Verbindungen aufbauen, die über eine hohe Festigkeit verfügen.

 

Nicht zu Unrecht kann man deshalb von einer Reifung auch von einem Selbstheilungspotenzial von Kalkspatzenmörteln sprechen. Risse oder Frakturen im Mörtelgefüge können sekundär, also nach dem eigentlichen Abbinden des Mörtels durch Bindemittelverlagerung, repariert werden. Hierbei wird bei Durchfeuchtung Kalk bzw. Calciumhydroxid aus den Kalkspatzen abtransportiert und in den Risssystemen ausgefällt, was auch die Erhöhung der Festigkeit nach einem längeren Zeitraum beeinflusst.

Die hervorragenden Eigenschaften des Produkt sind der Grund, warum trocken gelöschte Sandkalkmörtel werden seit einigen Jahren wieder verstärkt und mit Erfolg in der Baudenkmalpflege eingesetzt werden.

 
Herstellung

Bei der Mörtelherstellung wurde in der Regel der ortsübliche Sand und gebrannter Stückkalk wie ein Sandwich geschichtet, zu einem Haufen aufgetürmt und mit Wasser übergossen. Unter exothermer Reaktion, bei der im isolierten Sandbett Temperaturen von 70 °C und bis zu 300 °C entstehen können, wird der Kalk abgelöscht . Hierbei quillt der Kalk zu einer pastösen Masse auf Durch die große Hitze im alkalischen Milieu (gelöschter Kalk hat einen Ph-Wert von 14) kommt es zwischen dem Kalk und dem Bindemittel (Sand, und silikatische Feinbestandteile) zu einer Vielzahl von Reaktionen, die die hohe Güte und Endfestigkeit des Mörtels begünstigen.

Lieferform

Wir stellen objektgerecht konfigurierte Sandkalkmörtel als Baustellenmischung an der Baustelle her oder liefern den erdfeuchten Kalkspatzenmörtel im Big-pack zur Baustelle.

Referenzen

Pfarrkirche Dingelbe, Anatomisches Theater in Berlin, Franziskaner-Klosterkirche Zeitz, Mausoleen auf dem Bartholomäusfriedhof in Göttingen, Probeflächen in Petra (Jordanien), Burgruine Gleichen 

Veröffentlichungen

W. Wedekind (2014) Schwierige Ruinen - Zur Erhaltung der Ruinen und Felsmonumente an der Unstrut. In.: Siegesmund, S., Hoppert, M., Epperlein, K. Natur - Stein - Kultur - Wein - zwischen Saale und Unstrut. Mitteldeutscher Verlag: 293 - 320.

Heißkalk-Reaktionsmörtel für die Steinrestaurierung

Unsere Heißkalk-Reaktionsmörtel für die Steinkonservierung konfektionieren wir objektspezifisch für jeden sedimentären Gesteinstyp. Der Mörtel ist geeignet für die Restaurierung von Gebäuden und Objekten aus Sandstein, Tuffstein und Kalkstein.

Eigenschaften

Heißkalk-Reaktionsmörtel zeichnen sich durch eine rasche Frühfestigkeit und leichte Volumenexpansion aus. Dies führt zu einer hervorragenden Verbindung mit dem originalen Gestein und der Unterminierung vom Rissbildungen. 

Sowohl großflächige als auch voluminöse Fehlstellen können mit dem Mörtel zeitsparend und rissfrei ergänzt werden.

Unsere Heißkalk-Reaktionsmörtel verfügen zusätzlich über einen geringen Anteil an hydraulischen Bindemittel, was die Verarbeitberkeit erleichtert und die Endfestigkeit erhöht. 

Die Mörtel sind auf Null auslaufend verarbeitbar und können mit feinstem Aggregatbestandteilen versehen werden, was sie optisch ideal an das originale Steinmaterial angleicht.

Herstellung

Als Sande und Gesteine für die Mörtel werden im Idealfall gleichartiges Material wie das des zu restaurierenden Kunstobjektes in der Mörtelmanufaktur aufgearbeitet, gebrochen und gesiebt. Der auf diese Weise objektspezifisch konfigurierte Mörtel hat somit schon eine sehr ähnliche Grundfarbe wie das originale Gestein. Der Trockenmörtel benötigt deshalb weniger als 1 % Massenprozent an zusätzlichem Pigment. Ausserdem verfügt er über ähnliche thermo-hygrische Eigenschaften wie das Originalgestein.

 

Lieferform

Die Lieferung des Trockenmörtels erfolgt in wasserfesten Gebinden zu 30 kg. 

Referenzen

Würfelsäulen-Monument (Appenrode/Deutschland), Bartholomäusfriedhof (Göttingen/Deutschland), St. Michaelis Kirche (Zeitz/Deutschland), Santa Monica Kirche (Guadalajara/Mexiko), Sandsteinsockel eines Fachwerkhauses (Gross Schneen,/Deutschland). Sandsteinsockel von Bürgerhäusern (Göttingen/Deutschland), Auditorium der Universität (Göttingen/Deutschland), Versuchsflächen an Felsmonumenten (Petra/Jordanien)

Veröffentlichungen

W. Wedekind (2014) Schwierige Ruinen - Zur Erhaltung der Ruinen und Felsmonumente an der Unstrut. In.: Siegesmund, S., Hoppert, M., Epperlein, K. Natur - Stein - Kultur - Wein - zwischen Saale und Unstrut. Mitteldeutscher Verlag: 293 - 320.

 

W. Wedekind, T. Kracke, J. Rüdrich, A. Bruch & S. Siegesmund (2013) Der Bartholomäus-Friedhof in Göttingen als Beispiel für die nachhaltige Revitalisierung und Erhaltung eines Gesamtensembles. In: S. Siegesmund, R. Snethlage (Hrsg.) Natursteine in der Kulturlandschaft. Mitteldeutscher Verlag: 322 - 333.

 

K. Jauregui Arreola, W. Wedekind & S. Siegesmund (2012) Weathering, Conservation and Restoration of the Santa Mónica Church in Guadalajara, Mexico. Beitrag für Proceedings of the 12th International Congress on Deterioration and Conservation of Stone, Columbia University, 22-26 Oktober 2012, New York, USA.

 

W. Wedekind, B. Middendorf, S. Siegesmund (2010) Denkmalgerechte Ruinensicherung. In: Siegfried Siegesmund, Michael Hoppert (Hrsg.) Kultur- und Naturraum Drei Gleichen, Edition Leipzig, Leipzig: 160 - 201.

 

K. Jáuregui, W. Wedekind (2009) Die Restaurierung von Santa Mónìca in Guadalajara - Ein Pilotprojekt zur Etablierung neuer Standards und Methoden in der praktischen Denkmalpflege in Mexiko. In: Peltz, U. und Zorn O. (Hrsg.) kulturGuterhalten - Standards in der Restaurierungswissenschaft und Denkmalpflege. Berlin:  227 - 234.